Während nun die Menschen schliefen, kam sein Feind, säte Unkraut unter den Weizen und ging weg. Als die Saat aufging und sich die Ähren bildeten, kam auch das Unkraut zum Vorschein. Da gingen die Knechte zu dem Gutsherrn und sagten: Herr, hast du nicht guten Samen auf deinen Acker gesät? Woher kommt dann das Unkraut?

Evangelium nach Matthäus 13,25-27

Heute möchte ich ein Wort der Mahnung an die Menschen richten, die unseren auf dem synodalen Weg aktiven Geschwistern ein „Werdet doch evangelisch!“ entgegenschmettern. Dieser Aufruf zeigt die Konfliktlinie an, die spätestens mit dem Eklat am Donnerstag – der Ablehnung eines Grundtextes durch eine nicht unerhebliche Anzahl lehramtstreuer Bischöfe und die Rezeption dieser Ablehnung durch die progressiv-modernistisch ausgerichteten Teilnehmer des Synodalen Weges – auch für Außenstehende offenkundig wurde.

Jene, die den Teilnehmern des synodalen Weges ein „Werdet doch evangelisch!“ entgegenwerfen, oder, eine Eskalationsstufe weiter, „Tretet doch aus!“ tun dies meist mit dem Anliegen, einen deutschen Sonderweg verhindern zu wollen. Gewiss verstehe ich den Ärger, denn in einer Atmosphäre spürbaren Drucks, der jede konservative Position im Keim zu ersticken versucht, um die eigenen Beiträge setzen zu können, verkümmert der ursprüngliche offene Prozess zu einer Show-Demokratie, in der verschiedene Meinungen eine Krise auslösen können.

Allerdings darf an dieser Stelle nicht vergessen werden, dass bereits die Idee eines Kirchenaustritts ein deutscher Sonderweg ist. Das Kirchenrecht kennt keine Austrittsmöglichkeit. Die meisten Menschen werden als Kinder in die Kirche hineingetauft und verbleiben in ihr, denn die Taufe als Sakrament ist unaufhebbar. Die Idee eines Kirchenaustritts zeigt, dass die mit der Reformation eingezogene Idee der Konfessionen verinnerlicht wurde. Diese Idee ist der Ekklesiologie, der Lehre über die Kirche, fremd und kein Bestandteil des katholischen Glaubens.

Das konfessionelle Denken (und Fühlen) blickt auf geschichtlich Entwicklungen und identifiziert sich mit dem trennenden Element menschlicher Politik, es verliert den Fokus auf die universelle (katholische) Kirche. Daran müssen wir arbeiten: unseren Blick auf die eine heilige Kirche richten. Alles andere entfernt uns vom katholischen Denken. Am Ende ist es an Rom festzustellen, wer sich nicht mehr in Einheit mit der Kirchengemeinschaft befindet, nicht an uns.