Die beiden Sakramente der heiligen Kommunion und der heiligen Beichte sind die Quellen einer beständigen und erfolgreichen Reform des inneren Lebens eines jeden Katholiken.

Ivan Merz

Medial gibt es seit Wochen einen großen Sturm. Die katholische Kirche sei im Aufbruch, sie öffne sich für die Nöte der Zeit und die Menschen. Der große Aufbruch, die katholische Revolution. Ein neuer Heilsweg. Wenn die gesellschaftlichen Probleme, die bei nüchterner Betrachtung der Fakten vor allem in der Gesellschaft zu finden sind, gar nicht so sehr in der Kirche, schwerpunktmäßig in der Kirche gelöst würden, dann wäre ein neuer katholischer Heilsweg beschritten und die Kirche und die Gesellschaft vom Bösen befreit. Zugegebenermaßen, etwas polemisch überspitzt.

In freudiger Erwartung auf diesen verheißenen Heilsweg, der die Lösung aller Probleme aus Sicht jener darzustellen scheint, die den sakramentalen Charakter der Kirche in einem flachen Ämterkatholizismus vermuten – ja in Erwartung dieses eigentlich überwundenden Klerikalismus, der christliches Leben im Erklimmen ruhmreicher kirchlicher Positionen für die Laien missversteht –, wundere ich mich: Wo bleibt die katholische Revolution? Die Werktagsmessen sind weiterhin leer wie eh und je. Dabei ist doch der Mittelpunkt katholischer Spiritualität die heilige Messe. Wo bleibt die spirituelle Revolution? Wo sind all die Menschen, die die Strukturen des weltlich gefassten, sichtbaren Bereichs der Kirche zur Lösung unserer Probleme verändern wollen?

Wieso wirkt diese Revolution nur wie eine Sozialreform, die von jedem aufrichtigen Humanisten, Atheisten, Muslim oder Pantheisten vorangetrieben, sogar von staatlichen Stellen auferlegt werden könnte, für die es keine Katholiken bräuchte und die vielleicht manche Betroffenenverbände viel besser organisieren könnten? Weil die Kirchen leer bleiben. Weil sie nicht vom Zentrum des katholischen Glaubens ausgehen. Veränderungen, Anregungen, über unsere Kirche nachzudenken, das alles sind gute Dinge, wenn sie vom Geist her kommen und wenn die Menschen ehrlichen Herzens daran wirken, keine Frage. Aber der Fokus, der Mittelpunkt, jeder katholischen Revolution muss vom Gläubigen bei sich selbst ausgehen: denn alle institutionalisierten Sünden sind das Ergebnis jener Sünder, die wir alle sind.

Ich freue mich auf eine Reform der Kirche: Eine spirituelle Revolution, in der Menschen ihren Glauben entdecken und ihn neu leben; eine Revolution, die unsere Kirchen auch unter der Woche füllt und nicht nur die Hallen, in denen Paragraphen abgearbeitet werden müssen. Freuen wir uns für die Menschen, die den täglichen Besuch der heiligen Messe für sich zum Zentrum ihres Leben gemacht haben. Von diesen Menschen kann eine Revolution ausgehen.