denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsre Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist.

Römer 5,5

Der Begriff Liebe ist heutzutage oft ein inhaltsloser Begriff geworden. Er beschreibt verschiedene Konstellationen menschlichen Miteinanders. Im christlichen Verständnis meint Liebe etwas anderes und sehr viel tieferes als der allgemeine Sprachgebrauch hergibt. Liebe bezeichnet das aktive, zugewandte Handeln zu den Geschöpfen. Manchmal wird von aktiver Nächstenliebe gesprochen, um die Liebe zu benennen, die nicht nur ein leicht diffuses passives Gefühl ist. Schauen wir ins Lexikon, finden wir als Übersetzungen für den lateinischen Begriff Caritas Worte wie Hochachtung, hingebende Liebe oder uneigennütziges Wohlwollen.

Der Fokus des christlichen Glaubens ist nicht die Erfüllung eines Regelwerks, das vom Menschen verlangt, sich das Himmelreich durch das Befolgen starrer Tagesabläufe und prophetisch offenbarter Handlungsrichtlinien zu erarbeiten. Schon die frühen Christen realisierten die Schwäche ihres menschlichen Daseins und ihr Versagen; dass durch das Gesetz nur die Erkenntnis der Sünde komme, aber die menschlichen Werke in sich unvollkommen sind und kein Mensch durch sie gerecht werden kann (vgl. Röm 3,20). Man stand hier vor einem Zwiespalt. Wollen wir doch gute Werke tun, die Liebe Gottes die Menschen erfahren lassen, wie auch wir sie erfahren haben, doch bleiben wir hinter unseren guten Ansinnen oft zurück und erreichen es nicht, ein reines gutes Werk zu tun. Den frühen Christen wurde daher schnell klar, dass es nicht die unvollkommenen Werke sind, die uns vor Gott gerecht machen, sondern es unsere Herzenshaltung ist, durch die wir Gottes Nähe erfahren und weitergeben können. In dieser Herzenshaltung ist „die Liebe des Gesetzes Erfüllung.“ (Röm 13,10)

Das Gesetz erfüllt sich für den Christen nicht durch die Werke, sondern in der Liebe ist die Erfüllung des Gesetzes. Manchmal übertreiben Menschen in der Liebe. Manchmal bleiben Menschen in der Liebe hinter dem zurück, was sie sein könnten… sogar sehr oft. Wichtig ist aber diesen Punkt zu realisieren: die unvollkommenen Werke können den Menschen nicht von Gott trennen, solange er in der Liebe steht. Denn diese Liebe wurde von Gott in unsere Herzen gegossen und wir sollen diese Liebe weitergeben. So hat Gott sich uns zugewandt und an uns gehandelt und so sollen wir anderen Menschen gegenüber treten. Die Selbstlosigkeit, die wir in Gottes Liebe erfahren haben, die wir uns nicht verdient haben, sollen wir anderen Menschen zuteil werden lassen. So verwirklicht sich die aktive, tätige christliche Nächstenliebe: „Denn das ganze Gesetz ist in dem einen Wort erfüllt (3. Mose 19,18): Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!“ (Galater 5,14).

Besonders in der Osterzeit sollten wir uns dieses Geschenks bewusst sein und es weitergeben.