Wer das Gebet übt, bleibt nicht lange in der Sünde. Denn entweder wird er das Gebet oder die Sünde lassen, weil Gebet und Sünde nicht nebeneinander bestehen können.

Teresa von Avila

Nun genau das sind wir nicht mehr: vertiefte Gesellschaften. Waren wir jemals Menschen einer vertieften Gesellschaft? Waren wir vertiefte Menschen, so dass unsere Gesellschaft, in der wir von innen her leben und glauben, sich je vertiefen konnte, sich von den Schnelligkeiten und Ablenkungen der Welt abwenden und dem eigenen Inneren zuwenden konnte? Wir müssen uns selbstkritisch hinterfragen, wie weit wir dem gerecht werden, was wir für unseren eigenen Anspruch halten. Unsere Gesellschaft ist rasend. Sie ist schnell. Informationen schmettern den ganzen Tag auf uns ein. Unser Handy blinkt permanent. Selbst Menschen in einfachen Berufen wirken heute so beschäftigt als wären sie mindestens im Management eines mittleren Unternehmens tätig.

Es ist die Weise, wie wir uns beschäftigen, und, mit einem Blick auf das Handy feststellen „Zum Glück hat mich niemand angerufen“. So wichtig sind wir scheinbar doch nicht. Man erinnert sich an die Zeit, als die Menschen mit einem Anrufbeantworter glücklich waren und es ihnen ausreichte, am Abend zu erfahren, dass sie niemand anrufen wollte. Doch heute ist es das Lebensgefühl der Menschen immer erreichbar, immer auf dem neuesten Stand sein zu müssen.

Vor Gläubigen Menschen macht dieser Zustand ebenfalls nicht halt. Kürzlich in einem Stream zum synodalen Weg gesehen: Die heilige Messe wurde in den Arbeitsräumen gefeiert. Die Teilnehmer mussten noch nicht einmal von ihrem Arbeitsplatz aufstehen. So wenig Zeit blieb, dass es nicht einmal möglich schien, sich für die Messe in einen ruhigen Raum zurückzuziehen. Alles muss schnell gehen. Nach der Messe auch schnell weitermachen. Zeit für Ruhe brauchen wir Menschen scheinbar nicht mehr. Dabei würde uns die Ruhe und zeitweise Abgeschiedenheit helfen, zu uns zu kommen, zu reflektieren – ja, auch ein paar Minuten mit dem Herrn allein zu verbringen, mit ihm über die Sorgen und Nöte zu sprechen und ihn zu bitten, uns den heiligen Geist zu senden, dass wir zu guten Entscheidungen kommen mögen. Jesus machte uns dies vor: „In aller Frühe, als es noch dunkel war, stand er auf und ging an einen einsamen Ort, um zu beten.“ (Mk 1,35)

Im Eingangszitat der Heiligen Teresa von Avila werden wir darauf hingewiesen: Das Gebet zerstört die Sünde, „weil Gebet und Sünde nicht nebeneinander bestehen können.“ Es ist ein wichtiger Teil der Praxis, die uns Jesus mit auf den Weg gab, dass wir „allzeit beten und darin nicht nachlassen sollten.“ (Lk 18,1) Eine psychologische Erklärung wäre hierfür, dass Sünde sich vor allem dort ausbreitet, wo wir unsere Wachheit aufgeben. Wo wir nicht mehr bewusst unserer Taten und Gedanken sind. Wo wir abstumpfen. Deswegen ist es wichtig, unsere Alltäglichkeiten immer wieder zu durchbrechen mit einem Gespräch zu Gott. Im Gebet können wir erkennen, wo unsere Schwächen liegen, denn in der Minute des Gebets, wenn wir Menschen ganz mit dem Herrn sind, schenkt uns Gott diese Einsichten. Er zeigt uns unser Versagen, wo wir Gutes unterlassen und Böses getan haben.

Der Heilige Josefmaria sagt hierzu: „Nur im Gebet und mit der Hilfe des Gebetes lernen wir es, den Mitmenschen zu dienen!“ (Im Feuer der Schmiede 72) Das Gebet ist wichtig, um uns läutern zu lassen. Wir sollen unser Herz läutern lassen und wenn wir die Stimme Gottes hören, unser Herz nicht verschließen (Hebr 3,15). Ohne die Läuterung unseres Herzens durch Gebet, Rückzug und Vertiefung, sind wir gefährdet, „denn aus dem Herzen kommen böse Gedanken, Mord, Ehebruch, Unzucht, Diebstahl, falsche Zeugenaussagen und Lästerungen.“ (Mt 15,19)

Wenn wir eine vertiefte Gesellschaft wollen, eine Gesellschaft, die im Einklang mit Gott lebt, so müssen wir bei uns selbst anfangen. Wir müssen unsere eigene Unachtsamkeit durchbrechen. Wir müssen im wahrsten Wortsinn Menschen des Gebets, Kinder Gottes, werden.