Geliebte, traut nicht jedem Geist, sondern prüft die Geister, ob sie aus Gott sind; denn viele falsche Propheten sind in die Welt hinausgezogen.

1. Johannesbrief 4,1

Heute ist das Thema Ökumene in vieler Münder. Man muss hierzu sagen, dass dieses Thema vor allem aufgrund der unterschiedlichen Strukturen der Mitgliedsgemeinschaften schwierig ist. Für die evangelischen Kirchen, die innerhalb kleinerer Verbände organisiert sind, ist der Ansatz der Ökumene vorstellbar. Hier bestehen Möglichkeiten, im Rahmen der Verbände kleinere Anpassungen vorzunehmen. Für die katholische Kirche ist es etwas schwieriger. Die katholische Kirche ist vor allem eine Weltkirche. Das bedeutet, selbst wenn man in Deutschland zu dem Schluss käme, manche Dinge in Anlehnung an die evangelischen Kirchen anders machen zu wollen, würde hier die Meinung der Weltkirche zählen. Aus ökumenischer Sicht mag das falsch sein, aber wenn wir uns die Welt anschauen, fördert dieser Ansatz die kulturelle Demut. Denn wie oft glauben westliche Europäer, der Maß aller Dinge zu sein? In manchen kirchenpolitischen Debatten bemerken wir, dass Europäer nicht selten dazu neigen, ihre Errungenschaften für das zu halten, woran die Welt genesen soll. Dieser Kulturchauvinismus wird durch das Verständnis einer „deutschen Kirche“ nicht verhindert, sondern gefördert. Insofern sind wir beschenkt darin, eine Weltkirche zu sein, die erkennt, dass der heilige Geist in der ganzen Kirche lebt und uns vor manchem deutschen, kulturell-politisch geprägten Sonderweg bewahrt.

Vor einiger Zeit ist mir der 1948 gegründete Arbeitskreis christlicher Kirchen aufgefallen. Mir wurde die Erfahrung zuteil, einen Repräsentanten einer der Gastgemeinschaften kennenzulernen oder vielmehr seine Agitation. Der Arbeitskreis Christlicher Kirchen muss aufpassen, dass er nicht von Sondergemeinschaften, die dort einen Gaststatus beantragen, instrumentalisiert wird, damit sich diese aus dem sog. „Sektenstatus“ (ich verwende hier bewusst Anführungszeichen, weil der Begriff üblicherweise nicht mehr verwendet wird, wähle aber auch gezielt nicht den Begriff „Sondergemeinschaft“, um die Schärfe des Begriffs „Sekte“ zu erhalten) befreien können. Besonders wo von normalen arbeitenden Menschen 10% des Bruttolohns als Spende erwartet wird, sollten wir misstrauisch werden. Das ist im Vergleich das Zehnfache von dem, was die großen Kirchen im Rahmen der Kirchensteuer von den Gläubigen einziehen. Zum Vergleich: bei einem Bruttoeinkommen von 3000 Euro erwartet einen evangelischen oder katholischen Christen ein Beitrag von ungefähr 30 Euro; eine Spendenerwartung von 10% bei dieser Sondergemeinschaft beläuft sich hingegen auf 300 Euro.

Wie oft habe ich von dem Vertreter dieser Sondergemeinschaft gehört „Wir sind in der ACK“, gleichzeitig und wahrscheinlich anders als bei den gemeinsamen Treffen, ging es außerhalb des ACK größtenteils darum, die großen Konfessionen, wie auch die evangelischen und katholischen Gläubigen, verbal anzugreifen, ihren Glauben zu schmähen und dergleichen. Nicht einmal die Gebete von katholischen Christen wurden akzeptiert. Das Ziel war und ist, die spezielle Lehre der eigenen „Sekte“ als einzigen Heilsweg darzustellen und die großen Kirchen als von Gott verworfen darzustellen. Da ich nicht glaube, dass man mit diesem Habitus in die Gespräche beim ACK geht, ist der ACK hier zur Vorsicht angemahnt: während bestimmte Gemeinschaften mit Gaststatus um der gesellschaftlichen Anerkennung willen wahrscheinlich mit viel Honig sprechen, fahren sie außerhalb des ACK einen klaren Kurs gegen andere Gemeinschaften innerhalb des ACK.

Hütet euch vor den falschen Propheten; sie kommen zu euch in Schafskleidern, im Inneren aber sind sie reißende Wölfe.

Matthäusevangelium 7,15

Es ist wichtig, „die Geister zu unterscheiden“ und sich nicht durch scheinbare politische Harmonie täuschen zu lassen. Normalerweise schreibe ich nicht über andere Gemeinschaften auch nicht über Sondergemeinschaften, die für das Christentum nicht repräsentativ sind. Da ich aber massiv erlebt habe, wie man sich einerseits über den ACK eine gesellschaftliche Legitimation erschleichen will, gleichzeitig aber recht penetrant und kontinuierlich gegen die großen christlichen Konfessionen agitiert und ihre Gläubigen schmäht, schien es mir wichtig zu sein, dieses Thema anzusprechen. Den Namen dieser Gemeinschaft werde ich hier nicht nennen.