O meine Gebieterin, o meine Mutter, dir bringe ich mich ganz dar. Und um dir meine Hingabe zu bezeigen, weihe ich dir heute meine Augen, meine Ohren, mein Herz, mich selber ganz und gar. Weil ich also dir gehöre, o gute Mutter, bewahre mich, als dein Gut und dein Eigentum.

Weihegebet des Jesuitenpaters Niccolo Zucchi (1586–1670)

Am heutigen Hochfest der Gottesmutter Maria gedenkt die Kirche der Beschneidung Jesu am achten Tag nach seiner Geburt. Wir gedenken an diesem Tag auch der Namensgebung des Herrn. An Maria scheiden sich die Geister. So lässt es sich wohl sagen, wenn wir einen Blick auf die außerhalb der Kirche stehenden christlichen Geschwister werfen. Dabei wusste schon Maria, dass alle Geschlechter sie selig preisen werden (Lk 1,48), und trug in ihrem Herzen bereits das Wissen um die kommende Verehrung ihrer Person.

Für mich ist es ein Festtag, an dem ich Jesus im Kreise seiner Familie gedenke. Gott ist in sich Gemeinschaft und sein Sohn in der Einheit mit Vater und Heiligen Geist „wie im Himmel, so auf der Erde“ (Mt 6,10) in Gemeinschaft erfahrbar, als Teil der Heiligen Familie mit seiner menschlichen Mutter Maria und dem Heiligen Josef, seinem menschlichen Vater. Gott ist niemals für sich allein, er ist einig und in sich liebende Gemeinschaft. Wir können diese liebende Verbindung am Beispiel von Maria und Josef sehen.

Besonders Maria als die neue Eva, hat den Ungehorsam der Stammmutter des Menschengeschlechts durch ihr bedingungsloses „Ja“ ersetzt. “Siehe, ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe nach Deinem Wort” (Lk 1,38). In Maria erleben wir eine Gotteshingabe, die wir selbst nie erreichen werden. Ihre Beziehung mit dem Herrn war so innig und persönlich, daß sie uns unser eigenes Scheitern immer wieder vor Augen führt. Dieses Scheitern begleitet unsere Heiligkeit. Es ist, was unser Menschsein spiegelt.

Dieser Tag, an dem Jesus beschnitten wurde, führt unseren Blick noch auf etwas anderes. Der Blick auf die menschliche Familie, in die er geboren wurde, zeigt uns, wie Jesus Christus dem Gesetz unterstellt wurde. So konnte er jene – wie uns – freikaufen, die unter dem Gesetz stehen, damit sie Kinder Gottes werden (Gal 4,4-5). Jesus war frei von Sünde und hielt das Gesetz. Der durch die Sünde geprägte Mensch würde unter dem Gesetz gerichtet werden (Röm 2,12). Deswegen haben wir in Jesus Christus einen Fürsprecher beim Vater, wenn einer von uns sündigt (1 Joh 2,1).

Dieses Hochfest Mariens nimmt uns in das christliche Mysterium ganz hinein und macht erfahrbar, was uns zuteil wurde: die unglaubliche und nicht verstehbare Gnade.