Markus 12,31 verwendet den griechischen Begriff Agape für Liebe. Es ist der Begriff für selbstlose, nicht sinnliche Liebe. In der christlichen Geschichte kennt man auch das Agapemahl, die verstandene Agape als gemeinsames Essen oder auch die Speisung der Bedürftigen.

In Christian theology, Christian love, especially as distinct from erotic love or simple affection; a communal meal in token of Christian fellowship, as held by early Christians in commemoration of the Last Supper. The word is recorded from the early 17th century, and comes from Greek agapē ‘brotherly love’.

Oxford Reference: Agape

Heutzutage haben wir eher ein missverstandenes Bild von Liebe. Wenn die Menschen von Liebe sprechen, ist es manchmal eine Gefühlsduselei oder eine Verliebtheit. Wenn Du Dich mit lang verheirateten, älteren Menschen unterhältst, wirst du ein ganz anderes Verständnis von Liebe erfahren: ein unabdingbares, selbstloses, gegenseitiges Füreinander-da-sein und Füreinander-einstehen. Hier setzt ein tiefes Gefühl an, das sich über Jahre aufbaut.

Ein Hinweis darauf, wie Nächstenliebe zu verstehen ist, kann jenseits des Blicks auf den griechischen Begriff die Schrift selbst sein. Die Bibel setzt die Nächstenliebe in Beziehung zur Gottesliebe. Gottes Liebe zu uns ist seine unbedingte Zuwendung zur Welt und zum Geschöpf.

Wir hatten hier kürzlich die Frage, welches die wichtigsten Bibelstellen sind. Das christliche Leben ist nicht vorrangig eines des Gebots, sondern eines des Gebets. An diesen Gedanken möchte ich anknüpfen:

„Das Wichtigste bei der Liebe Gottes ist… daß Gott den Menschen liebt und ihn zuerst liebt“ (R. Cantalamessa), denn „darin besteht die Liebe: Nicht dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt und seinen Sohn als Sühne für unsere Sünden gesandt hat.” (1 Joh 4,10)

Die göttliche Liebe, durch die wir Nächstenliebe lernen können, ist die vorausgehende, an keine Bedingung geknüpfte Zuwendung Gottes zum Geschöpf. So sollen auch wir Christen lieben. Dem Nächsten eine an keine Bedingung geknüpfte Zuwendung zukommen zu lassen, auch wenn wir ihn nicht emotional lieben oder richtig finden, was er tut (Nächstenliebe ist echte Toleranz: den anderen Menschen anzunehmen, auch wenn er etwas tut, was ich falsch finde), denn so sagt es uns auch Christus: “Liebt einander! Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben.” (Joh 13,34)