Heute war ich auf einem kleinen Spaziergang durch unsere schöne Hauptstadt Berlin. Geplant war u.a., dem Infostand an der sich im Umbau befindlichen St. Hedwigskathedrale einen Besuch abzustatten und mich über den aktuellen Stand der Baumaßnahmen zu informieren. Als ich ankam, sah ich Domprobst Tobias Przytarski mit einer kleinen Gruppe, der ich mich spontan beigesellt habe. Bei einer kleinen Reise durch die Geschichte der Kathedrale stellte ich fest, dass es doch immer wieder neues zu entdecken gibt und Geschichte nie so abgeschlossen und eindeutig ist wie wir manchmal glauben möchten. Anschließend ging die Gruppe in die Kathedrale, um sich das Innenleben der Kathedrale näher anzuschauen.

Vor einigen Jahren gab es in der Gemeinde, um nicht zu sagen deutschlandweit, eine große Diskussion drüber, wie weit man über das notwendige Maß der Sanierung hinaus Veränderungen vornehmen sollte. Es ist ein Ort, der für viele Menschen mit Erinnerungen verbunden ist, und mit dieser Herzensliebe kämpften die Menschen mit der Frage, wieviel Veränderung zulässig ist und wie weit man gehen kann, ohne die eigene liebgewonnene Heimat aufgeben zu müssen. Manch einer hielt die frühere Form für unveränderlich – andere sahen Möglichkeiten und Chancen. Einfach haben es sich die zuständigen Autoritäten damals nicht gemacht. Manche sprachen despektierlich vom „Loch“, womit sie den Zugang zur Unterkirche meinten, andere hatten Sorgen um die Frage, ob es nun doch Stühle oder Bänke sein sollten. Und allerlei Verschwörungstheorien über den seit dem 2. Vatikanischen Konzil ausufernden Modernismus durften in der Debatte natürlich auch nicht fehlen.

Für mich selbst hängen an der Kathedrale auch einige Erinnerungen. Es ist nicht nur der Ort meiner Taufe , einige Monate hatte ich dort in verschiedenen Bereichen gedient. Und zu meinem eigenen Erstaunen stellte ich fest, das trotz des wenig gewohnten Zustandes – Fotos infolge – ich im Inneren der Kathedrale die gleiche heimatliche Atmosphäre spürte. Vielleicht ist es ein guter Hinweis darauf, dass wir es uns nicht so schwer machen sollten, wenn es um äußere Veränderungen geht. Es sind unsere Erfahrungen und die Menschen, die Gemeinschaft mit Menschen, Erlebnisse, die unser Empfinden und unsere Eindrücke bestimmen. Auch trug die geschlossene Unterkirche für mich einen Teil dazu bei, dass der Raum in sich geschlossener und wärmer wirkte. Viele geplante Veränderungen scheinen gut durchdacht zu sein und dürften langfristig eine Bereicherung darstellen. Daher bin ich gespannt, wie das Endergebnis aussehen wird. Zweifel habe ich nach dem heutigen Besuch keine, dass es zum Guten werden wird.