Dieses Video ist mir vor wenigen Tagen im Netz begegnet. Es ist ein kurzer Abriss zu dem Thema und bringt wichtige Gedanken. Ich möchte es als Ansatz nutzen, auch noch etwas zum Begriff der Allmacht zu sagen.

In Grundriss des Glaubens – Katholischer Katechismus (Allgemeine Ausgabe) wird beschrieben, dass „die Allmacht Gottes […] von anderer Art [ist], als Menschen in vermessenen Träumen Macht für sich ersinnen. […] Sie zeigt sich, wenn Gott als der Mächtige ‚mit starker Hand‘ seinem Volk beisteht.“ (11.1) Weiterhin, „Christen bekennen […] im Glaubensbekenntnis ihren Glauben an einen Gott, der Ursprung und Vater von allem ist, der alle Macht hat, allmächtig ist, der aber diese Macht in Treue dem Menschen zuwendet.“ (Ebd.)

„Allmacht Gottes: Die Bibel redet von Gottes machtvollem Handeln, das sich in der Geschichte zeigt und in Gottes Schöpfertätigkeit zum Ausdruck kommt. Gottes Macht zeigt sich in seiner Treue und Hilfe für sein Volk.“ (Ebd.)

In Neuner-Roos, Der Glaube der Kirche in den Urkunden der Lehrverkündigung, wird der Begriff Allmacht in den Randnummern 886-888 im Kontext seiner göttlichen Gnade beschrieben. Gott hat „uns die Auffassung des allmächtigen Wirkens seiner Gnade mitgeteilt, da er sie mit jenem Wirken kennzeichnet, das die Geschöpfe aus dem Nichts hervorbringt und den Toten das Leben zurückgibt.“ (RN 888)

Die Frage, ob Gott einen Stein erschaffen kann, den er selbst nicht heben kann, ist eine logische Unmöglichkeit. Wie im Video ausgeführt, gibt es in sich widersprüchliche Behauptungen. Widersprüchlich bedeutet, dass etwas Postuliert wird, um es gleichzeitig zu verneinen. Kann Gott eine Tür erschaffen, die keine ist? Das wäre eine ebenso unsinnige Frage. Oder: Kann Gott einen 2dimensionalen Würfel erschaffen? Natürlich nicht, denn in der Definition wird das Gegenteil von dem postuliert, was erschaffen werden soll. Denn etwas Erschaffenes, das nur 2dimensional ist, kann kein Würfel sein. Kann der allmächtige Gott etwas erschaffen, über das er keine Macht hat? Das ist eine unsinnige Frage, denn der allmächtige Gott hat per Definition immer die Macht über die gesamte Schöpfung. Es ist eine unsinnige Frage, ein inhaltsloses Spiel mit Gedanken.

Kommen wir zu dem zentralen Punkt. Wie bereits in den Zitaten angedeutet, meinen wir mit Allmacht eher das machtvolle Handeln Gottes im Bezug auf die Schöpfung und die Menschen. Gott kann sich nicht selbst als etwas anderes erschaffen, denn alles, was Gott erschafft, ist Geschöpf. Gott selbst ist der Unerschaffene, Ewige. Alles, was Gott erschafft, ist Teil seiner Schöpfung. Wenn Gott einen nicht allmächtigen „Gott“ erschafft, reden wir von einem Geschöpf, das nicht der allmächtige Gott ist. Hier greift ebenfalls, was im Video genannt wurde, dass Gott unveränderlich ist.

In anderen Traditionen, wie z.B. dem Hinduismus, gibt es die Idee, dass es sich bei den Göttern (devas) um Geschöpfe handelt (Rg Veda 10,129 [6]), die nur Teilaspekte der absoluten Wahrheit (Srimad Bhagavatam 3.27) sind. Diese devas werden häufig als „Halbgötter“ (demigods, Teilgötter) bezeichnet, um herauszustellen, dass sie nur Teile der absoluten Wahrheit sind. Viele Hindus lehnen Begriff den Begriff „Halbgott“ allerdings ab, da sie meinen, es handle sich um ein Konzept aus der griechischen Mythologie. In der biblischen Botschaft gibt es diese Idee aber nicht.

Gottes Allmacht wird als Handlungsmacht Gottes im Bezug auf seine Schöpfung und seinen Heilswillen und seine Gnade im Bezug auf seine Geschöpfe gesehen. Es handelt sich um das Vertrauen, dass Gott der Herr der Erde und seiner Bewohner ist (Ps 24,1) und im Schlechten noch das Gute zu verwirklichen weiß, um seine Geschöpfe zum Heil zu führen. Der ein Gott der Lebenden (Mt 22,32) ist und im Tod das Leben schöpfen kann. Dass der Tod nicht das letzte Wort hat und alle in Christus auferstehen werden (1Kor 15,22).