In einem anderen Blog schrieb ich darüber, wieso ich die Stärke interreligiöser Gespräche vor allem darin sehe, die Menschen darin zu bestätigen, ihre Religion konsequent zu praktizieren. Religionen sind Versuche des Menschen, in Gottes Gegenwart und Gemeinschaft zu gelangen. Ursächlich verantwortlich für diesen Versuch ist die Einsicht, dass die Beziehung zwischen Mensch und Gott in einer bestimmten Weise gestört ist. Der Mensch fühlt sich in der Pflicht, diese Beziehung wieder in Ordnung zu bringen, indem er den Geboten und Regeln seiner Religion folgt. Er hofft, durch diese religiösen Taten vor Gott gerecht zu werden, lebt aber in einer Ungewissheit, weil er bei seiner Schau in sein Innerstes merkt, dass er diesen Vorgaben nicht ausreichend gerecht wird. Das Christentum gibt hier eine andere Antwort auf die Frage, wie sich die Gottesbeziehung gestaltet, das soll an dieser Stelle aber nicht das Thema sein.

Die Gemeinsamkeit von religiösen Menschen liegt in der Mühe und Sorgfalt, nach ihrem besten Können und Gewissen Gottes Anliegen in ihrem Leben umzusetzen. Sie akzeptieren eine (religiöse) Autorität, durch die ihnen die Regeln ihrer Religion vermittelt und erklärt wird. Das eint nicht nur die Religiösen, sondern auch Menschen,  die sich den Wissenschaften verschreiben, sofern sie nicht selbst Wissenschaftler und in der Forschung tätig sind. Interessant ist, dass Menschen immer wieder die eigene Autorität verlassen und nach einer weiteren Autorität suchen, durch die sie die eigene Autorität mit mehr Autorität stärken wollen. Das ist ein logischer Widerspruch, weil man damit die Autorität der eigenen Quelle infrage stellt. An dieser Stelle nur eine kurze Abhandlung zu dem Thema.

  1. Ich kann, entsprechend der Quelle, die ich als Autorität akzeptiere, andere Menschen in ihrem Weg bestätigen. Als Christ kann ich, basierend auf der biblischen Autorität, andere religiöse Menschen darin bestärken, dass ihr Glaube an Gott gerechtfertigt ist und zu einem Teil Wahrheit enthält, – Anteil an der Wahrheit hat –, gleichwohl ihnen unterstützend zur Seite stehen, Offenbarung noch besser zu verstehen, 
  2. Ich kann hingegen nicht andere Autoritäten heranziehen, um meine eigene Autorität zu bestätigen, weil ich damit in einen logischen Widerspruch gerate. Nehmen wir ein abstrakteres Beispiel: wenn mir meine Autorität sagt, dass ein grüner Gott existiert, und es eine andere Autorität gibt, die besagt, dass ein farbloser Gott existiert, dann habe ich zwar eine Gemeinsamkeit, aber wiederum etwas, was sich logisch ausschließt. Denn ein farbloser ist kein grüner Gott. Wenn ich nun behaupte, dass die Quelle, die von einem farblosen Gott ausgeht, mich bestätigt, kommen wir zu einem Widerspruch: wenn ich die andere Quelle als Autorität akzeptiere, müsste davon ausgehen, dass Gott farblos und nicht grün ist.

Wir haben diese Situationen beim interreligiösen Austausch, der schnell zur Debatte oder zum Streitgespräch wird, häufig. Es gibt sie besonders dort, wo Religionen versuchen, die eigene Autorität mit Versen anderer Religionen zu verstärken. Nicht zuletzt mit dem Ziel, die Anhänger einer Religion für die eigene gewinnen zu wollen. Die zahlreichen Debatten zwischen Islam und Christentum verlaufen deutlich nach diesem Schema. Es ist aber paradox. Wenn ich Religion A als Autorität akzeptiere und versuche, über sie den Geltungsanspruch von Religion B deutlich zu machen, müsste ich konsequent der Autorität von Religion A folgen. Wenn diese Religion dann aber Aussagen trifft, die meinen widersprechen, müsste ich konsequenterweise die eigene Religion verlassen, weil ich eine neue Autorität für mich akzeptiert habe. Die neue Autorität wird in diesem Moment meine Referenz und mein Kontext, durch den ich die Welt beurteile. Damit muss man dieser Autorität konsequent folgen. Sonst gelangen wir zu einem Patchwork-Weltbild, das nur nach Autoritätsargumenten für das eigene Weltbild sucht – und damit das eigene Ego über alles andere stellt.